Wie diese Malerei entsteht...

Fox & Magpie möchten sie einladen, uns auf einem Betrachtungsweg der hier gezeigten Bilder zu begleiten.

Kommunikation ist alles. Zu oft im Leben bleiben einem Kunstwerke verschlossen, weil man sie einfach nicht versteht.

Deswegen bieten sich diese Bilder an, sich erklärend zu öffnen um so vielleicht eine Kommunikation zu ermöglichen.

 

Betrachten wir das Bild mit der Nummer 1!

Es trägt den Titel „Die Passanten“.

Es ist hängt rahmenlos und ungeschützt, kein Gemälde, sondern ein offener Moment auf einem lose entrissenem Blatt Papier, das auf die Stabilität eines geometrisch sicheren Umrisses verzichtet, um dem Dargestellten keine Angst vor der Struktur der Richtigkeit zu machen. Durch die Unverbindlichkeit des Provisoriums wird die Szene entlastet.

 

Der Entstehungsprozess:

 

Auf die leere Fläche des Papieres darf sich nun etwas zeigen, was eigentlich formlos im Gefühlskörper wirkt. Es gibt keine konstruierte Idee, kein bereitgelegtes Motiv und auch keine Darstellungsabsicht irgendeines Bewusstseinsinhaltes. Die Leere der Fläche soll etwas herauslocken und sichtbar machen, was noch unbekannt ist. Nur der innere Kanal ist freigeschaltet, das Ich ist vergessen und kontrolliert nicht mehr die Grenzen zwischen Innen und Außen.

Die Hand liegt malbereit auf der Lauer. Das ist ein bisschen so, als ob man abends ein Schälchen mit Futter in den Garten stellt, und neugierig darauf wartet, welches scheue Waldtier sich wohl darüber hermacht.

Dann fängt das Malen an, irgendetwas gibt den ersten Impuls.

 

Mit Form suchenden Zeichenspuren und blassen Lasuren aus Holzbeize bilden sich erste Ahnungen von Position und Ausdehnung der Visualisierung. Ein Pinsel wäre zu präzise für diese Art der Malerei, hier ist ein alter Abwaschschwamm das Beste, er nimmt genug Flüssigkeit auf und verhält sich unkonventionell. Die Farbe schmiert und tropft und kommuniziert in barbarischen Bewegungen über die Oberfläche. Die Berührung von Papier und Farbe erzwingt regelmäßige Pausen des Trocknens.

Eine Schicht Acryllack auftragen, das versiegelt die Poren des Papieres und ermöglicht den weiteren Lasuren eine Nassbleibung zur geduldigen Formulierung der Körperschaften und Gestalten, die sich zunehmend in die Deutlichkeit drängen, aber trotzdem stets irgendwo im Fluktuativen zerfasern.

 

Ob es mein Geist ist, der in seiner Erkennungsgier den Kommunikationskörpern eine menschliche Erscheinung anmodeliert, oder ob es die Freundlichkeit der Gezeichneten ist, die sich erkennbar zeigen, oder ob sie schlicht so erscheinen wie sie sind, bleibt ungewiß. Aber nach immer kleiner werdenden Flecken von immer dunkler werdender Holzbeize, erblickt man einen Zustand der eigenen menschlichen Natur.

 

Bewohner aus psychischen Räumen, Erinnerungen an erlebnislose Momente oder Begegnungen aus vergessenen Träumen sind zu Besuch in der Erkennbarkeit. Die Farbschmiererein werden nun mit scharfen Kanten belohnt, das greifbare fixiert und mit schwarzer, dünner Feder umrandet. Ein spitzes Messer sticht zum Schluss kleine Wunden Licht in die schattige Haut des Bildes.

Der Prozess endet dann genauso unmittelbar wie er begann. Zu sehen ist ein Augenblick, ein Zustand, ein kurzer Gruß am anderen Ende einer Leitung.

 

Zum Motiv:

 

Hier kommen drei Passanten des Weges, wie vom Berge herunter geschritten, wie einem Pfade folgend, wie vom Kriege heimgekehrt. Stumm einem Schicksal ergeben, erschöpfte Wanderer oder pilgernde Gläubige, Verbannte oder Eroberer.

Von oben blickt die Frau, als kühle Mutter, distanziert und schmerzgeraubt. Sie war schon fort, als ihr Kind vor Abschied schrie. Eine Verirrte mit Bedauern, ohne Rast und Ruh. Eine Göttin in den Augen der Verehrer, doch die eigenen Augen laut geöffnet. Sie ist zu viel Opfer, zu viel Täter, zu viel dazwischen.

Die Fremden davor entschwinden, in die Vergessenheit, vergiftet vom Missbrauch der Hoffnung. Einer geht dem andern nach, ohne Ort und ohne Zeit, manchmal Jäger, manchmal Sammler, niemals satt, doch immer schuldig.

Die Passanten ziehen nur vorbei, unerreichbar und leise.

 

Es könnte gut sein, sie zu grüßen.

 

„Kommt, reden wir zusammen

wer redet, ist nicht tot“

Gottfried Benn